Lieber Emanuel Buchmann, Tourpodest verschenkt oder verkauft?

19 Tage Tour de France 2019. Nach den dopingverseuchten einseitigen Dominanzjahren folgte endlich mal wieder eine Tour de France im Radsport, die nicht von Doping überlagert, bestimmt oder einseitig durch eine Mannschaft oder Fahrer dominiert wurde. Es lockte auch mich passionierten Radfahrer, Journalist und Dopingkritiker ( Für mich gehören alle Dopingbehafteten für alle Zeiten aus allen Bereichen des Sports entfernt.) wieder hinter dem Ofen hervor. Erstaunt, erfreut, überrascht, begeistert, fragend, hoffend, zweifelnd das alles sauber abläuft, und dann bist auch Du noch als Deutscher vorn mit dabei.

Es war eine Tour mit offenen Ende und unglaublichen 5 Fahrern die offensichtlich und objektiv betrachtet das Können und die Möglichkeit hatten dieses bedeutendste Radrennen der Welt direkt zu gewinnen. Darunter, für Kenner nicht ganz überraschend auch mit Dir Emanuel Buchmann, ein Deutscher Radrennfahrer auf Platz 6.
Nach der überraschenden Aufgabe des fünften Tibault Pinot rutschtest Du auf Platz 4 vor und wer die Tour verfolgt hatte, konnte bereits erkennen, das Alaphilippe nicht in der Lage ist auf den schweren Bergetappen gegen seine unmittelbaren Verfolger das gelbe Trikot zu behaupten. Auch Geraint Thomas zeigte Schwäche, während Du noch am Tourmalet ein Loch zufahren konntest. Zweieinhalb Minuten Rückstand von Deinem 6. Platz ließen immerhin hoffen schon zwangsläufig erwarten, das es wenigstens einen spannend dramatischen Showdown um das Podium gibt, denn die Abstände zum dritten mit weniger als 30 Sekunden ließen das mehr als zu für Dich.
Dazu noch die einmalige Konstellation mit offenen Bergtrikot, drei Anwärter hätten alle Chancen, zwei können angreifen, zwei müssen Ihren Platz verteidigen.
Und dann das. Einer fuhr davon, Vincent Nibali, holte sich das Bergtrikot mit lächerlichen Abstand von weniger als einer Minute, der Rest war gemeinsames den Berg hoch fahren mit einem halbherzigen Angriff von Dir. Lieber Emanuel, wenn der vor Dir liegende nicht attackiert, dann kann er das vielleicht nicht. Wenn Du dann losgehst und nicht erst halbherzig auf den letzten Poeng, mit dem Anschein des Alibies alles getan zu haben, dann fahr doch. Was hattest Du zu verlieren?
Einen Platz weniger? mit 2 einhalb Minuten Vorsprung, die alle schon abgehängt waren?
Du hättest auch nur den Fehdehandschuh hinwerfen können und dann abwarten, was passiert. Selbst wenn Du allein fährst doch dann fählt irgendwer ab oder nicht. Doch wesentlich verschlechtert hättest Du Dich nicht.
Du warst in einer perfekten Ausgangssituation, nichts zu müssen, keinen Druck zu haben, kein Favorit zu sein, auch wenn die Kenner Dich auf dem Zettel der erweiterten Kandidaten hatten, unter dem Radar zu fahren und trotzdem immer in der Spitzengruppe fahren zu können und hin und wieder Deine Kräfte durchblitzen zu lassen, die Freude und Spaß machten zu sehen, das die Tour nicht einfach so gewonnen wird. Du warst der X-Faktor der die Tour wieder unberechenbarer machte und das Ende nicht so berechenbar.
Doch dann das. Worauf hast Du gewartet? Deine Ansage, wunderbar bescheiden wie Sie war, es kann nunmal wirklich immer viel passieren, erst auf der letzten Etappe alles zu riskieren, war richtig und verständlich. Doch was war los, von Anfang an hätte Dein Team zeigen müssen, das Du heute DAS DING raushast, alles oder nichts fährst. Es hätte möglicherweise alles geändert, aufgeregt, das Feld wäre schneller gefahren und schneller zerfallen. Es gab heute nur noch mind. platz 3 oder nichts.
Wenn Du dann trotzdem als Gruppe in die finalen 10 fährst, dann übernimmst Du und riskierst.
Egal wie es gekommen wäre, selbst wenn Du völlig eingebrochen wärst, niemand hätte Dir einen Vorwurf machen können. Jeder hätte gesagt, noch jung, das brauchte er als Erfahrung. Doch wer nichts wagt der nichts gewinnt, trifft es heute perfekt.
Heute hätte Dein Tag sein können.
Ein schöner ein einmaliger, ein überraschender, egal wie es ausgeht und was Du gemacht hättest.
Wie Miroslav Klose über die Nachwuchsfußballer sagte, gilt auch für Dich, Du hast die letzte Konsequenz vermissen lassen. Schade.